Besuch in unserer „Schuhkarton-Gemeinde“ Pfinztal-Söllingen

Das Wochenende vom 15. bis 17. September war der verabredete Termin für unseren Gegenbesuch in Pfinztal-Söllingen. Nach deren Besuch im letzten Jahr bei uns in Buchholz war es nun an uns, die Reise in den Süden anzutreten. Es hatten sich 18 Geschwister mit 2 Kindern zur Teilnahme angemeldet – und um es vorweg zu nehmen:  alle die nicht mit dabei waren, haben viel Schönes versäumt!

Einige der Teilnehmer waren schon in den Tagen vor dem Wochenende gefahren und deshalb haben wir uns dann am Freitag so gegen 17 Uhr alle im Hotel zusammengefunden.

Zu 18 Uhr war ein Empfang für die Gruppe in der Söllinger Kirche angesetzt und dort wurde wir ganz herzlich willkommen geheißen. Auch hier gab es gleich Namensschilder (vom Vorsteher der Gemeinde eigenhändig gefertigt!) und das „Du“ war einheitliche Umgangsform. Vor lauter Wiedersehensfreude und Neukennenlernen kamen die Informationen zur Kirche und Gemeinde fast zu kurz, denn es sollte ja noch ein Abendessen gereicht werden. Der Vorsteher Thomas bereite uns auf ein typisch badisches Gericht vor: Maultaschen (köstlich!) dazu natürlich badischen Wein. Auf die Frage, ob wir das Rezept bitte bekommen könnten, gab es nur ein verschmitztes Schmunzeln. Nach Erläuterungen zum Ablauf des kommenden Tages ging es dann gegen 21 Uhr zurück zum Hotel und bald ins Bett.

Am Samstagmorgen gab es ein gemeinschaftliches Frühstück, denn für unsere Gruppe war im Hotel freundlicherweise der Wintergarten als Frühstücksraum gedeckt worden. Auf dem Parkplatz wartete man dann auf die Söllinger Geschwister, denn es hieß, dass unsere Autos stehen bleiben sollten, wir werden abgeholt. Erste Autos trafen ein und bei der Begrüßung der Runde gab es dann den großen Überraschungseffekt: der Stammapostel ist da! So manch einer erkannte das erst im zweiten Hinschauen, aber welche Freude!

Ein kleiner Einschub: Stammapostel i.R. Leber und Frau waren in der Zeit zuvor in Österreich im Urlaub, sie hatten aber schon frühzeitig entschieden, etwas früher abzureisen und zu unserer Besuchergruppe in Söllingen dazu zu stoßen. So trafen die beiden auch am Freitag gegen 17 Uhr im Hotel ein, hatten aber für den Abend einen privaten Besuch geplant und waren deshalb nicht mit zur Begrüßung in der Kirche. Nur der Hirte und Vorsteher Thomas und der Organisator Werner waren eingeweiht und sie hatten entschieden, dass dieser Gast als Überraschung für die Gemeinde geheim bleiben sollte.

Mit einigen PKW fuhren wir dann gemeinsam mit etwa 25 Söllinger Geschwistern zum Turmberg. Dort wartete ein Bus auf uns und nachdem die schöne Aussicht über Karlsruhe-Durlach ausgiebig fotografiert worden war, startete die Stadtrundfahrt.

Margit und Detlef haben während der Fahrt über die Sehenswürdigkeiten, über Geschichte und Gegenwart von Karlsruhe informiert. So sahen wir den Zoologischen Garten, die Landesbibliothek, die staatliche Münze, den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht, den Platz der Grundrechte, die großen katholischen und auch evangelischen Hauptkirchen aber auch unsere beeindruckende große Kirche, die über ca. 1500 Plätze verfügt. Der Busfahrer hatte sich ein Sonderlob verdient für seine Kunst selbst engste Kurven und schmale Gassen und die vielen Baustellen zu bewältigen, denn Karlsruhe baut zurzeit eine U-Bahn. So erreichten wir gegen Mittag das Fasanenschlösschen. Hier ist heute die Forstverwaltung untergebracht und hier ist von Vorsteher Thomas der Dienstsitz als Forstwirt. Er öffnete uns eine Schranke und wir gelangten in den Hof. Das OrgaTeam hatte alles bis ins Kleinste geplant - plötzlich standen Körbe mit Butterbrezeln und Getränke auf den Tischen und es gab einen kleinen Imbiss.

Nach dieser Stärkung spazierten wir gemeinsam durch den Fasanengarten, über den östlichen Hauptweg und durch das Hirschtor und gelangten so zur 1715 vom Markgrafen Karl Wilhelm gegründeten Residenz „Carlsruhe“, dem Schloss. Ein Gruppenfoto wurde gemacht und dann ging es auf den 42 m hohen Schlossturm. Strahlend schönes Wetter eröffnete uns einen weiten Blick über die „Fächerstadt“, denn von dem Schloss als Zentrum verlaufen fächerförmig 32 Achsen – Straßenzüge, die kilometerlang geradeaus in alle Himmelsrichtungen führen. In der nach Süden führenden Hauptachse steht das Denkmal des Stadtgründers, etwas weiter vom Schloss entfernt die Pyramide, das Grabmal Karl Wilhelms und der Obelisk.

In nordwestliche Richtung – den 49. Breitengrad folgend - führt einer dieser Fächerwege bis zur Majolika, der staatlichen Keramik-Manufaktur und ist durchgehend mit blauen Keramikfliesen aus dieser Manufaktur belegt. Das Wetter erlaubte auch eine weite Sicht westwärts zu den Vogesen und im Süden bis zu den Ausläufern des Schwarzwaldes.

Nach dem Abstieg vom Turm gab es noch einen kleinen Film über das höfische Leben danach gingen wir wieder zurück zum Fasanengarten, wo der Bus auf uns wartete. Weiter ging die Stadtrundfahrt, vorbei an der Universität, dem Hauptfriedhof, der Grabkapelle und dem Schloss „Gottesaue“. Dies war einst eine Benediktinerabtei und ist nach dem Wiederaufbau seit 1989 Musikhochschule. Wieder in Durlach angekommen, ist eine kleine Gruppe aus dem Bus ausgestiegen und hat die Altstadt unter der Führung von Sigge, dem vormaligen Vorsteher von Sölligen, zu Fuß erkundet. Das Basler Tor, schmale Gassen und Reste der Stadtmauer boten viele Fotomotive. Der Fußmarsch endete an der Talstation der Turmbergbahn, einer 1888 gebauten Zahnradbahn. Diese beförderte uns nun wieder auf den Turmberg, wo schon die übrigen Geschwister warteten. Die waren mit dem Bus auch zu der Talstation der Zahnradbahn gefahren und dann ebenso nach oben gelangt. Hier stiegen wir alle wieder in die PKW's und fuhren zurück zum Hotel.

Es war mittlerweile 16 Uhr geworden und nun war man dankbar für einen Moment der Ruhe, denn um 18 Uhr war ein Gemeindefest angesetzt. Pünktlich ging es zum Katholischen Gemeindezentrum, das von den Söllinger Geschwistern gern für solche Zwecke angemietet wird. Schon beim Betreten gab es herzliche Begrüßungen von den vielen Geschwistern. Wir waren wohl ca. 120 – 140 Anwesende, auch dabei viele Kinder, denn die Gemeinde hat einen Schatz von 32 Kindern. Natürlich war wieder ein reichhaltiges warm/kaltes Buffet aufgebaut und eine Getränkeausgabe (hervorragend gemanagt von einem 11-jährigen jungen Bruder!). Nach gutem Essen und vielen schönen Gesprächen hat unsere Besuchergruppe die Mitbringsel an die Gemeinde übergeben. Dabei gab es eine kleine Revanche für das „Badisch-Schwätze“ - die Einleitung zur Übergabe wurde auf Plattdeutsch gehalten. Sooft wir uns auch für die herzliche Atmosphäre und liebevolle Gastfreundschaft bedankten, immer wurde entgegnet, dass man ja nur versucht habe, sich zu revanchieren für die Aufnahme in der Gemeinde Nordheide im Jahr zuvor. Dankbar und angefüllt von dem Erleben in dieser herzlichen Gemeinschaft von Gotteskindern ging es dann zurück ins Hotel, denn es war schon fast 22 Uhr.

Am Sonntagmorgen machten wir uns dann rechtzeitig auf den Weg zur Kirche – Gottesdienstbeginn um 9:30 Uhr! Der Stammapostel war schon etwas früher gestartet, denn er hatte sich bereit erklärt, in diesem Gottesdienst die Orgel zu spielen. Da der Spieltisch der Orgel hinter dem Altar „versteckt“ steht, haben die Geschwister ihn erst nach dem Eingangsgebet entdeckt. Der Bezirksälteste, der auch am Samstag bei allen Veranstaltungen dabei war, hielt diesen Gottesdienst und hat uns zu Beginn herzlich als die „Heidjer“ begrüßt und auch den „einmaligen Orgelspieler“ erwähnt.

Nach dem Gottesdienst stand „Fellowship“ auf dem Plan, natürlich wieder mit Buffet und reichlicher Versorgung. Noch einmal konnte man sich über die schönen Begegnungen austauschen, noch einmal die Gemeinschaft genießen und sich in die Arme nehmen. Dann stand der Abschied an, aber zuvor nahmen der Vorsteher Thomas und der unermüdliche Organisator Werner die Gelegenheit, uns vorbereitete Tüten mit Marschverpflegung in die Hand zu drücken. Neben dem Essbaren steckte in jeder Tüte ein Buch:  Leckeres aus dem Schuhkarton. In wochenlanger Vorbereitung hatte das OrgaTeam eine Sammlung von 25 Rezepten verschiedener Schwestern (und Brüder) zusammengestellt und daraus ein Fotobuch erstellt und drucken lassen – welch eine tolle Idee und wieviel Mühe!! Ja, da hatten wir es nun: das Rezept für Maultaschen (s.o.)